Ode an die Freude

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‚Ode an die Freude‘ nannte Ludwig van Beethoven eines seiner großartigsten Meisterwerke, den letzten Satz seiner 9.Sinfonie (hier als Flashmob-Version). Und mir fällt es schwer, mich der Faszination des Werkes zu entziehen. Ich mag Beethoven gerne glauben, dass er in einer Zeit der Wirren, des Krieges und des Misstrauens damit dem Wunsch nach Frieden, Weltfrieden und Harmonie Ausdruck geben wollte.
Der Hintergrund, das Gedicht ‚An die Freude‘ von Friedrich Schiller, wird durchaus ambivalent interpretiert. Unter anderem sowohl als Zeugnis einer männerdominierten Gesellschaft als auch als Loblied auf soziale Verbundenheit, Zwischenmenschlichkeit, Freundschaft

Ich möchte an einer anderen Stelle der Interpretation des Textes anschließen: so ist bei wikipedia auch zu lesen, dass im Gedicht Freude auch als ‚ein wichtiger Bestandteil natürlicher Lebensweise und Triebkraft der Welt‘ verstanden werden könne.
Wenn ich diesen Gedanken weiterspinne, dann…

komme ich dazu, dass Freude essentiell für unser aller Wohlbefinden, für unser aller Gesundheit ist.
Wie ist das bei Ihnen?
Geht es Ihnen gut, wenn Sie Freude empfinden?
Geht es Ihnen nicht besser, wenn Sie Freude zulassen können, selbst wenn sie gerade mies drauf sind?

Freude ist essentiell für unser aller Wohlbefinden, für unser aller Gesundheit

James Baraz und Shoshana Alexander haben ein wunderbares Buch dazu geschrieben, warum Freude so heilsam für uns ist, warum Freude ganz natürlich in uns steckt und wie wir Freude kultivieren können. Sie schreiben: „Übrigens geht es nicht darum,  dass dieses Buch Freude für Sie produziert.  Diese Freude befindet sich schon in ihrem Innern. Sie gehört zu jedem von uns und ist uns ebenso angeboren wie die Fähigkeit,  eine Sprache zu erlernen oder Liebe zu empfinden. Als unschuldige Babys kommen wir auf die Welt, und die können wir wiederentdecken. Das Gefühl,  dass ich Freude nenne, hat viele verschiedene Geschmacksnoten. Je nachdem, um welche Persönlichkeit es sich handelt, kann es sehr unterschiedliche Formen annehmen,  von einer stillen Zufriedenheit bis hin zu überschwänglichem Enthusiasmus. Bei manchen Menschen ist es eine strahlende Energie,  bei anderen ein ruhiges Gefühl der Verbundenheit.“
Sehr lesenswert!

Die Forschung zu Depression geht davon aus, dass eine mögliche Ursache von Depression ist, dass die Balance zwischen positiven Erlebnissen und belastenden Erlebnissen nicht mehr gewahrt ist und sich die Waage zu sehr in Richtung Belastung/Frustration neigt. Noch einmal: Freude ist elementar für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden.

Vor einigen Tagen stieß ich auf einen Blog, der das Thema Freude frisch und munter angeht. Die Autorin zeigt einfach, beschreibt einfach, wo sie Freude empfindet, was ihr Freude macht.
Und so einfach kann es sein: mit unseren Sinnen wahrzunehmen, was uns Freude macht. Dinge zu tun, die uns Freude machen.
Bei mir ist das zum Beispiel, dass ich Klavier spielen lerne. Jetzt, mit 50 Jahren, sitze ich vor dem Klavier wie ein Neunjähriger und übe Anfangslektionen und es ist die pure Freude für mich.

So einfach: mit unseren Sinnen wahrnehmen, was uns Freude macht. Dinge tun, die uns Freude machen.

Aaaber: so einfach scheint es dann doch nicht immer zu sein. Warum zum Beispiel spiele ich im Moment nicht Klavier? Diese Tage sind nicht besonders gut, ich bin häufig gereizt, es geht mir nicht wirklich gut. Manches aus verschiedenen Lebensbereichen macht mich traurig, manches erschöpft mich, manches macht mich ärgerlich, anderes ratlos. Aber warum setze ich mich nicht ans Klavier? Warum gehe ich nicht in die Sauna (noch was, was für mich mit einfacher Freude verbunden ist)? Und genau darum wäre es jetzt so wichtig, meine Fähigkeit zur Freude zu kultivieren. Achtsam zu sein für das, was mich erfreut, was mir gut tut.
Der Blog ‚freudenwege‘ macht das deutlich: offen sein, offen sein für das, was Freude macht, was Freude machen könnte. Und schon diese Offenheit wird uns weiterhelfen, jeden Tag.

Aber auch: mir ist es ganz wichtig, zu betonen, dass es vermutlich nicht so viel nutzt, wenn ich mir jetzt mit innerer Gewalt verordne, dass ich unbedingt Freude erleben muss!! Wenn es nicht geht, wenn ich mich gerade nicht danach fühle, Freude zu kultivieren, tut es wahrscheinlich gut, wenn ich mich damit auch annehmen kann. Für mich ist es der freundliche, der liebevolle Umgang mit mir selbst, der auch ganz viel mit Freude, Gesundheit und Wohlbefinden zu tun hat.

Freude als Ressource wahrnehmen, die wir zusammen aber auch allein empfinden können

Übrigens taucht das Thema (z.B. als geäußerter Mangel an erlebter Freude oder angenommener Mangel an der Fähigkeit zur Freude) in manchen Coachings mit meinen Klienten/Klientinnen auf. Und ich sehe es als sehr wichtige Ressource, die ich oft anspreche. Und als eine Ressource, die dann doppelt wertvoll ist,  wenn wir sie sowohl mit lieben Menschen, mit den Liebsten und Freunden/Freundinnen als auch allein erfahren können.

So, und jetzt werde ich zwei Dinge tun: ein paar der schönen kurzen Beiträge im genannten Blog lesen, um mich daran zu erinnern und inspirieren zu lassen, die Freude zu kultivieren. Und ich werde mich ans Klavier setzen. Und das aufkommende Frühlingsgrün draußen genießen. :-)

Moment eben… noch eine Frage:
Wie ist es denn eigentlich damit: Reicht es, wenn es nur mir gut geht, der Rest der Welt aber im Elend steckt? Oder fühlt sich Freude nicht dann besser an, wenn es idealerweise allen oder möglichst vielen Wesen um mich herum gut geht? Entsteht dann nicht mehr Zufriedenheit, mehr tiefer Frieden?
Vermutlich kann ich nicht allein dafür sorgen, schon klar. Aber ich kann ein Interesse daran und einen Willen dazu haben, dass es Menschen, Tieren, Pflanzen nah bei und auch weit weg gut geht. Mitgefühl ist nicht eingrenzbar, denke ich.

In diesem Sinne, Euch und Ihnen eine freudige Woche!

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