¡¿Alles steht Kopf¿¡

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Etwas, was mir sehr am Herzen liegt, und wobei mir der Mangel daran in dieser Gesellschaft sehr zu schaffen macht, mich bedrückt, ist eine Art Allgemeinbildung hinsichtlich psychologischer Phänomene.
Damit meine ich eine Form der Bildung über unser Bewusstsein, unsere Gefühle, unsere Verhaltensmuster und die Abläufe in uns, wie sie uns ständig begegnen. Damit meine ich weiterhin Kenntnisse über Kommunikation, wie sie funktioniert und wie wir sie untereinander führen.
Ich gehe nicht davon aus, dass besonders viele Menschen unbedingt Experten in dieser Hinsicht sein müssen, aber ich finde es beschämend, dass in einem Land, dass sich selbst für eins der Länder mit der besten Bildung weltweit hält, die Kenntnisse darüber so erschreckend gering sind. Allerdings halte ich das nicht nur für ein Problem, was nur in Deutschland existiert, sondern ist es möglicherweise ein globales Thema. So wenig über unsere eigene Psyche und unser Verhalten zu wissen (nochmal: nicht als hochspezialisierte Fachwissen sondern als einfache Grundlagen im Sinne einer Allgemeinbildung), erscheint mir
heutzutage in einer Gesellschaft, die in Anspruch nimmt und in Anspruch nehmen kann, hinsichtlich Wissenschaft, Politik, Gesellschaft, Spiritualität und Technologie schon einen gewissen Weg zurückgelegt zu haben, erbärmlich und blamabel.

Und ich denke auch, dass der Mangel an Wissen, an Kenntnissen, auch an Weisheit darüber ein Grundproblem unserer Gesellschaft ist, ein Grundproblem, das globaler besserer Verständigung, mitfühlenderem und solidarischerem Handeln, mehr Frieden mit sich selbst und dem, was uns umgibt, im Wege steht. Nun ließe auch die These aufstellen, dass genau deswegen eine solche Allgemeinbildung nicht von allen gewünscht ist, weil sie möglicherweise wirtschaftlichen Interessen, Profitmaximierung und Wachstum stören würde. Diese These, diese Idee, will ich gleichwohl hier heute nicht thematisieren.

Vielmehr will ich hiervon berichten:
Ich habe neulich einen ganz faszinierenden Film gesehen, der im Grunde die Basics dieser Kenntnisse unterhaltsam und eindrucksvoll vermittelt: der Film heißt „Alles steht Kopf“ (Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes 2015) und ist ein Animationsfilm von der Produktionsfirma, die u.a. auch schon „Oben„, „Die Unglaublichen – The Incredibles“ und „WALL-E“ auf die Leinwand gebracht hat.
Das wiederum ist nicht jedermanns Geschmack, aber ich empfehle euch und Ihnen dennoch unbedingt, diesen Film zu schauen.
Ganz kurz, worum es geht: im Zentrum der Handlung steht eine Familie, die von Minnesota nach Kalifornien zieht, nach San Francisco, Los Angeles ich weiß es jetzt gar nicht mehr genau Punkt und die Tochter dieser Familie, ein vielleicht zehnjähriges Mädchen leidet unter diesem Umzug. Sie vermisst ihre Freunde, der Pizzaservice macht nicht so schöne Pizzen wie in Minnesota und in der Klasse hat sie auch keinen Spaß. Und sie vermisst ihr liebstes Hobby, das Eishockey spielen. Und als dann auch noch der Umzugswagen mit den Möbeln der Familie, den Spielsachen, Tage lang nicht kommt und die Familie in einer nahezu leeren Wohnung Hausen muss, ist die Stimmung auf dem absoluten Nullpunkt.

So weit, so gut, nix daran wäre ungewöhnlich im Film. Spannend und bemerkenswert wird’s aber dadurch, dass wir Zuschauer die ganze Zeit mitkriegen, was in dem Mädchen vorgeht (auch in den anderen Personen, aber das nur ganz kurz). Wir sehen sozusagen in sie hinein und sehen einen großen Raum, in dem die Grundgefühle Freude, Zorn, Ekel, Angst, und Kummer ihren Platz haben. Diese werden durch bestimmte Figuren dargestellt, die auf eine bestimmte Weise agieren. So ist Kummer, dargestellt durch eine kleine, frustrierte und stille blaue Figur, immer dann beschäftigt, wenn das Mädchen Kummer erfährt, wenn sie traurig ist. Die Freude hingegen versucht ständig dies und das, um bessere Stimmung zu verbreiten: so sucht sie aus einer Bibliothek im Gedächtnis besonders schöne Erfahrungen heraus und erinnert das Mädchen daran. Ähnlich auf ihre Weise zeigen sich Angst, Ekel und Zorn. Und das ganze wird komplexer: so werden bestimmte Bereiche gezeigt, hier heißen sie Inseln, die wir hinter den Fenstern der ‚Steuerzentrale der Persönlichkeit‘ sehen: die Insel der Freundschaft, die Insel der Familie, die Quatsch-Insel, die einfach nur für Spaß sorgen soll und so weiter und so fort. Und die Bedeutung  dieser Lebensbereiche, die mit Erfahrungen gefüllt sind, wird deutlich, als eine dieser Inseln wegzubrechen droht…

Ich will nicht den ganzen Film erzählen, nur so viel sei noch gesagt, dass auch Themen wie Langzeitgedächtnis, Traumatisierungen, Erfolge, Referenzerfahrungen, das Unbewusste auftauchen und schließlich die Figuren aus dieser ‚Emotionszentrale‘ eine abenteuerliche Reise unternehmen müssen, um… Nun, das will ich hier nicht verraten. ;-)
Jedenfalls gibt dieser Film tatsächlich einen wunderbaren Eindruck davon, wie wir ticken, was in uns vorgeht. Zudem ist er auch noch witzig, berührend, unterhaltsam und spannend.
Also: mein Oscar 2016 (ich glaube kaum, dass ich noch einen besseren Film dieses Jahr sehen werde) goes to: „Alles steht Kopf“
DAS trägt zur Allgemeinbildung allemal mehr bei als mindestens 95 % dessen, was wir als „Information“ im TV präsentiert bekommen.

Euch und Ihnen einen guten Start in die neue Woche! :-)

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