Kommune? Aussteigen?? – Ganz im Gegenteil: Einsteigen!

Ein aufregendes und inspirierendes schönes Wochenende liegt hinter mir
Ich war in Mecklenburg beim „Los geht’s“, einem Festival von Menschen und Gruppen aus Kommunen für Interessierte, die in Kommunen, Gemeinschaften, Wohnprojekten leben wollen, Wohnprojekte bereits gründen oder erstmal nur Informationen dazu suchen.
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Das Wetter war ziemlich kühl für Pfingsten, aber das war auch schon der einzige Wermutstropfen eines prima Wochenendes. Die Organisation war super und ebenso die Atmosphäre sowie das Verhalten aller Teilnehmer*innen. Herumliegender Müll? Fehlanzeige. Glasscherben? Nö. Stress? Auch nicht.
Und die Bezugsgruppe, die ich zusammen mit Regine Beyß geleitet habe, war super: die Teilnehmer*innen waren voll dabei, sehr begeistert und offen und neugierig! Und wenn ich die Feedbacks richtig wahrgenommen habe, sind da einige Leute über bisher bestehende Vorbehalte hinaus. Das hat natürlich sehr viel Freude gemacht.
Überhaupt war es ermutigend, zu sehen, wie viele Menschen völlig unterschiedlichen Alters sich für Lebensformen interessieren, die weder Singlehaushalt oder Kleinfamilie entsprechen und über Wohn- oder Hausgemeinschaft hinausgehen.

Kommune? Ist das nicht Nostalgie? Heißt das nicht einfach nur: Aussteigen? Weiterlesen

Blinde Flecken, jeder Mensch hat sie – du, Sie, ich, jede und jeder.

Guten Tag in die Runde.

Das wird jetzt vielleicht etwas weh tun. Es wird um „blinde Flecken“ gehen. Blinde Flecken, jeder Mensch hat sie – du, Sie, ich, jede und jeder.

Vor gut einer Woche sah ich den Dokumentarfilm „Meine keine Familie“ von Paul-Julien Robert. Der Autor schildert anhand originaler Filmausschnitte und Interviews mit Betroffenen sowie der Auseinandersetzung mit seiner Mutter und seinen vermutlichen Vätern sein Leben in der Lebensgemeinschaft im österreichischen Friedrichshof , die der Aktionskünstler Otto Mühl aufgebaut hat und die von 1979 bis 1991 existierte.
Ich werde im Folgenden von ‚Sekte‘ sprechen, nicht etwa von Lebensgemeinschaft oder Kommune. Dies hat den folgenden Grund: aus eigener Kenntnis verschiedener Kommunen und Lebensgemeinschaften habe ich die Erfahrung gewonnen, dass dort die Würde, die Rechte und die Unverletzbarkeit jedes/jeder Einzelnen einen sehr hohen Stellenwert einnimmt, häufig sogar einen höheren als in üblichen gesellschaftlichen Strukturen. Im Dokumentarfilm über den Friedrichshof hingegen konnte ich einen Umgang mit Menschen beobachten, den ich mit ‚Sekte‘ assoziiere.

Auf mich wirkte der Film ebenso wichtig wie nur sehr schwer zu ertragen. Weiterlesen