„Das Leben ist keine ausgeglichene Bilanz“ von Johannes Korten – Zustimmung und Widerspruch von mir.

Johannes Korten hat einen spannenden Artikel zum Thema Grenzen, Entschleunigung, Herausforderungen gebloggt.

Zustimmung und Widerspruch meinerseits gibt es hier:

Lieber Hannes,

ja, lasst uns jeden Tag bewusst leben und unser Leben gestalten.

Da kann ich, wie bei manchen anderen Punkten deines Artikels mitgehen. Dennoch verlangt es mich, auch ein Stück weit zu widersprechen, mindestens zu ergänzen.

Ein gebetsmühlenartig vorgetragenes „Entschleunige… entschleunige…“ ist in der Tat nicht viel mehr als eine weitere Form von Marketing, die sich eines neuen Bereiches bemächtigt.

Dennoch finde ich es sehr positiv, dass Themen wie Balance, Entschleunigung, klarere Einschätzung persönlicher Ressourcen inzwischen eine größere Rolle spielen.

Warum?

Aus verschiedenen Gründen:

Ich sehe, dass die Kraft, die Menschen zur Verfügung haben, völlig unterschiedlich aufgestellt ist. Was für manche leicht zu machen ist, für andere noch okay zu handlen ist, ist für manche eine starke, aber temporär akzeptable Überforderung und für wieder andere nicht mehr zu leisten, ohne dass sie Schaden nehmen.

Und ich finde ein antagonistisches Handeln dahingehend hilfreich, dass ein Mensch etwas tut, was er/sie gewohnheitsmäßig erstmal nicht tut, um die eigenen Grenzen zu spüren und sich daran testen zu können. Soll in diesem Zusammenhang bedeuten: Wenn Menschen eher gewöhnt sind, einem unbedingten Leistungsprinzip nachzugehen (und ich behaupte, dass wir hier in Deutschland dies über Generationen verinnerlicht haben) und Gesundheitlichem eine niedrigere Priorität als Produktivität, Selbstbild und Status einräume, ist es nur gut, wenn sie sich besser einmal mehr statt einmal zu wenig an einer für sie neuen Verhaltensweise ausprobieren.

Ich nehme es auch so wahr, dass selbst Menschen,  die gnadenlos erschöpft sind und soeben darunter zusammenklappen, zwar für den Augenblick dann entschleunigen wollen, aber kaum in der Lage sind, ihre jahrzehntelang gepflegten Moralvorstellungen hinsichtlich Leistung, Status etc. auch nur kritisch anzuschauen.

Wie ich in meinem Blog auch immer wieder betone, halte ich ebenso wie du bewusstes Erleben und Gestalten des eigenen Lebens für eine der besten und schönsten Quellen und auch Ausdrucksformen von Lebendigkeit und Lebensqualität.

Mit der Zeit ist mir jedoch auch klarer geworden, dass die Erkenntnis, dass nicht immer gestaltet werden kann und uns manchmal auch die Bewusstheit fehlt, zwar schmerzlich, aber auch wichtig zu akzeptieren ist.

Dass es auch genügend Verhältnisse gibt, in denen sich Menschen so eingerichtet haben, dass sie sich nichts mehr zutrauen, keine Grenzen mehr testen, keine Herausforderungen mehr annehmen… das sehe ich leider auch (und ich kenne aus aus früheren Zeiten selbst). Und da geht die Lebensqualität auch vor die Hunde.

Schön finde ich, dass du anführst, dass wir uns doch Hilfe suchen können bei schwierigen Aufgaben. Kooperation ist ein Mittel, dessen Wirksamkeit und Wert hierzulande noch gar nicht genug begriffen worden ist, denke ich oft.

Wieder ganz bei dir bin ich, wo du sagst, dass ein Ausbalancieren um des Ausbalancierens willen, wie es uns zur Zeit medial oft begegnet, Quatsch ist. Zu technisch, zu sehr an der Oberfläche, zu wenig in der Tiefe.

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