Entscheide dich!

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Welcher Tag wäre besser geeignet, um über dieses Thema zu schreiben, als der heutige?!
Falsche Entscheidungen… unsichere Entscheidungen… kaputt geplante Entscheidungen… die Scheu, Entscheidungen zu treffen… nicht getroffene Entscheidungen… die Angst, wieder (falsch oder vermeintlich falsch) zu entscheiden… mit den Konsequenzen leben… ein Megathema, oder nicht?
Zur Erklärung:
Ich schaue gerne American Football, natürlich speziell den Super Bowl, das Endspiel der amerikanischen Meisterschaft im American Football. Selbiges ging gestern Nacht hochdramatisch mit einer unfassbar falschen Entscheidung der Offensive der Mannschaft der Seattle Seahawks zu Ende, die sie den Sieg kostete. Interessierte Laien wie ich ebenso wie Experten reiben sich immer noch verwundert die Augen und fragen sich, warum es zu dieser Fehlentscheidung kommen konnte.

Nein, das ist kein Super Bowl Blog

Fairerweise sollte ich dazu sagen, dass American Football ein ausgesprochen komplexer Sport ist. Was für Neulinge aussieht wie ein völlig unkoordiniertes Durcheinander vieler dick gepolsterter Spieler, raufen, ausschaut, beinhaltet bei jedem Spielzug gern mal über 60 taktische Möglichkeiten, einen Spielzug auszuführen. American Football verhält sich zum Volkssport hierzulande, Fußball, wie Schach zu Mensch-ärgere-dich-nicht, was die Komplexität betrifft. Damit ist es nicht besser oder schlechter, toller oder öder, nur deutlich anders in dieser Hinsicht. Es geht z.B. oft darum, in einem kurzen Zeitfenster die der Spielsituation angemessen beste Entscheidung zu treffen. Und dies ging gestern bei Headcoach und den Trainern der Offensive des Teams aus Seattle voll daneben. Schade!

So, ich betreibe hier ja keinen Super Bowl Blog, sondern mir geht es ja unter anderem darum, Ressourcen aufzuspüren, um ein gesundes, zufriedenstellendes Leben kultivieren zu können.
Also: worauf will ich hinaus? Auf das große Thema ‚Entscheidungen treffen‚.

Das ist ein Thema, was mir regelmäßig im Coaching begegnet. Menschen fragen sich, ob sie die richtigen Entscheidungen getroffen haben, haben Sorge davor, falsche Entscheidungen zu treffen und oft genug tun sie vor allem eines: Entscheidungen aus dem Weg zu gehen, Entscheidungen aufzuschieben. Auch durch Beruf und Position geübte Entscheider stehen mitunter vor diesem Problem. Die Fähigkeit, in einem Bereich zu managen, bedeutet nicht, dass sie zwingend auch auf anderen, gar auf allen Gebieten des Lebens souverän Entscheidungen treffen würden.

Was macht es so schwer, sich zu entscheiden?

Was ist das eigentlich,  was es mitunter so schwer macht, Entscheidungen zu treffen?
Mal der Reihe nach:
Ich scheue mich, eine Entscheidung zu treffen, weil…
…sie falsch sein könnte.
Woran würde ich das merken?
Daran, dass die Konsequenzen meiner (falschen) Entscheidung nicht gefallen.
Was wäre der worst case, der anzunehmende schlimmste Fall, der nach einer solchen (falschen) Entscheidung eintreten könnte?
Und würde das mein Leben stark bedrohen?

An dieser Stelle gibt es meist ein Aufhorchen, ein Erstaunen…
… weil die wenigsten Entscheidungen, die wir zu treffen haben, eine solch dramatische Kraft haben.

Ist es eigentlich sicher, dass die befürchteten Konsequenzen in jedem Fall eintreffen?
Ist es denkbar, dass die (bisher nur befürchteten) negativen Konsequenzen einer (falschen) Entscheidung durch positive nicht erwartete andere Konsequenzen kompensiert werden?
Ist es denkbar, dass die Konsequenzen auch vielfältiger ausfallen?
Kann ich mich an Situationen erinnern, in denen die Konsequenzen anders ausgefallen sind als von mir befürchtet?
Und sind mir Situationen erinnerlich, in denen auch als richtig angesehene Entscheidungen unerwünschte Konsequenzen hatten?
Treten unerwünschte Konsequenzen nur bei ‚falschen‘ Entscheidungen auf?

Sich selbst ermächtigen, zu entscheiden

Meine Erfahrung aus Coachings ist ferner, dass manche Menschen, die mit einer noch nicht getroffenen Entscheidung hadern, die sie zu treffen wünschen, aber doch nicht treffen wollen, es ganz plötzlich leichter damit haben, wenn ich ihnen mit diesen beiden einfachen Sätzen die Ermächtigung in die Hand lege:
1. mensch darf Entscheidungen widerrufen
2. mensch darf sich wieder neu entscheiden
Es ist verblüffend, wie sehr Menschen sich in einem Entscheidungsprozess darin verstricken können, einer Entscheidung ewige Endgültigkeit zuzumessen. Oft (nicht immer!) sind individuelle Entscheidungen weitaus weniger dramatisch als angenommen.

Jede/r von uns wird auch das Gefühl kennen, dass es erleichternd sein kann, wenn eine Entscheidung getroffen ist. Na klar! Gebundene Energie wird frei!

Leben ist das, was stattfindet, während wir planen

Ich plädiere nicht dafür, Entscheidungen nun mal locker vom Hocker, unüberdacht, gar verantwortungslos zu treffen. Gar nicht.
Ich plädiere dafür, Entscheidungen möglichst bewusst und möglichst angstfrei zu treffen.
Eine Postkarte sagt:
‚Leben ist das, was stattfindet, während wir planen‘.
Da ist was dran. Manchmal sind Entscheidungen Papiertiger und wir investieren viel Kraft darin, diesen anzustarren und seine Gefährlichkeit zu bewerten. Kraft, die wir brauchen könnten, um mit der Entscheidung gut zu leben und das beste daraus zu machen.

Hat gestern bei den Seattle Seahawks nicht geklappt. Ja, auch das gehört dazu: dass Entscheidungen falsch sein können, dass etwas misslingt.
That’s life. So what?

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Ein Gedanke zu “Entscheide dich!

  1. Pingback: #Gedankenblitz: Organisierte Unverantwortlichkeit | Wünschen. Wollen. Tun.

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