Kernkompetenz: Wertschätzung

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Las ich doch neulich im Freitag, dass die neue Platte ‚Once Upon A Time in Shaoiln‘ von dem immer wieder faszinierenden HipHop-Kollektiv Wu-Tang-Clan aus Staten Island in einer erstaunlichen Auflage von 1 Stück produziert worden ist. Ja, ich hab keine Null vergessen,  die Auflage soll 1 (in Worten: eins) sein.
Niemand soll ein Duplikat besitzen, niemand wird das Album kaufen können… wobei zu befürchten ist, dass schwerreiche Personen versuchen werden, sich dieses Unikat einzuverleiben. Gibt ja genug Menschen, die tagein tagaus damit beschäftigt sind, ihrem angehäuften Vermögen irgendeinen Wert geben zu wollen, der über Geld hinaus reicht. Und da sind Raritäten eine begehrte Ware.
Wu-Tang-Clan wollen laut eigener Aussage,  dass das Album eine Reise durch die Museen aller Welt macht und dort  (sozusagen dann live vom Plattenteller) gehört werden kann.
Wie cool! :-)
Völlig egal, ob das…

…zum größeren Teil ein PR-Gag ist oder nicht (ich neige zur Ansicht, dass sich die New Yorker dabei weit mehr gedacht haben als eine Marketingaktion), es ist eine super Idee!
Und: endlich! Endlich ist da jemand, der Populärmusik von der Bindung an stumpfe Wiederholbarkeit, erst recht multipliziert durch Playlists löst. Wow, what a Wu-Tang!

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Warum auch soll das für Musik nicht gelten, was für manch andere Kunstform gilt?
Lasst uns verstehen, dass Musik und Literatur genauso wenig beliebig sind wie bildende Kunst, Performance, Theater. Und dass sie nicht deswegen weniger wert sind, weil sie einfacher und in Millionen Stückzahlen reproduziert werden kann!

Basis hilfreichen sozialen Verhaltens: Wertschätzung

Vor allem aber lenken Wu-Tang-Clan den Blick auf etwas, was ich als Top Basic menschlichen hilfreichen sozialen Verhaltens bezeichnen will: auf Wertschätzung!
Wie geht es uns in Liebesbeziehungen, wenn wir keine Wertschätzung bekommen? Elend, oder? Auch wenn es ganz verschiedene Arten von Wertschätzung gibt und nicht alle davon gesund sind (z.B. taugt Wertschätzung, die sich an Bedingungen knüpft – „Du bist toll, weil du dies oder jenes für mich machst…“ „Ich liebe dich, weil du so und so bist“ aus meiner Sicht nur dann was, wenn sie nicht mit der Forderung verbunden ist, sich unbedingt und immer so zu verhalten, damit auch bloß dieses Bild nicht gefährdet wird): wir lechzen nach Wertschätzung und ganz besonders nach unbedingter Wertschätzung. Wir wollen so gemocht, geliebt, anerkannt werden, wie wir sind, nicht nur mit unseren Triumphzügen sondern auch unseren Niederlagen, nicht nur mit unseren Stärken, sondern mit unseren Schwächen,  nicht nur mit unseren schönen Seiten sondern auch mit unseren hässlichen Seiten.
Jedenfalls lechzen wir solang danach, wie wir uns noch nicht selbst genug wertschätzen können.

Wir urteilen schneller als wir Wertschätzung ausdrücken

Im Urteilen sind wir ja meist schneller und geübter: wer alles Schuld ist an einer bestimmten Lage, was alles nicht gut genug ist, wenn wir einem Gegenteil unserer abfälligen Meinung über etwas begegnen ist es die berühmte Ausnahme, die die Regel bestätigt… usw. usf.
Unser Gespür für das Geben und Empfangen von Wertschätzung ist so verunsichert und irritiert,  dass wir wertschätzende Äußerungen von anderen Menschen gern mal als Anmache oder Schöntuerei missverstehen oder erwarten, dass jetzt eine derbe Gegenleistung erwartet wird.
Und trauen wir uns, Wertschätzung zu geben, ehrlich, ganz aufmerksam und liebevoll? Oder befürchten wir genau das beim Gegenüber, was wir selbst meinen empfinden zu müssen?
Gar nicht so einfach, oder?

Wertgeschätzt zu werden ist ein Bedürfnis jedes Menschen, egal welcher Hautfarbe, Religion, Herkunft, sozialer Schicht oder Weltanschauung

Und wenn wir schon soweit sind, dass wir das entgegen meiner oben getätigten etwas groben Aussagen eben doch können?
Kultivieren wir es? Verstehen wir es als einen ganz grundsätzlichen Wert und ein ganz grundsätzliches Bedürfnis aller Menschen,  egal welchen Hautfarbe,  welcher Religion,  welcher Herkunft, welcher politischen oder philosophischen Weltanschauung, egal, ob jemand viel oder wenig zur Gesellschaft beiträgt, egal welcher sozialen Schicht?
Sind wir in der Lage, diesen ganz grundsätzlichen Bedürfnisse bei jeder Person anzuerkennen, zu respektieren und uns auch in Konfliktsituationen daran zu erinnern?
Für alle, die damit Schwierigkeiten haben, empfiehlt sich ein Blick in dieses Papier.

Ich hoffe sehr, dass Wu-Tang-Clan viele Menschen dazu anregen werden, darüber nachzudenken.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch sowie Euren Familien ein schönes gesegnetes Weihnachtsfest! :-)
Herzlich,
Jens Gantzel

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