Weihnachtsfeiern… oje?

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Themen, Themen, Themen… und ich weiß kaum, worüber ich zuerst bloggen soll… welcher Luxus! :-)

Gestern waren wir gemeinsam – heißt in diesem Fall: weitgehend der Kern der Gemeinschaft, in der ich lebe – im Dunkelkaufhaus in Wetzlar. Was für ein super Ausflug! Das Dunkelkaufhaus ist großartig, Wetzlar hat eine hübsche und belebte Altstadt und wir haben noch ein total sehenswertes Café besucht, in dem wir was zu essen mit rein bringen durften, will die Küche noch kalt war, in dem die Musik von Platte kam – und Platte meint in diesem Fall wirklich Vinyl –  und in dem es ein feines Biobier namens Eselstoff und wahlweise Sojamilch in Heißgetränken für die Veganisten, einen hammer Schmandkuchen und einfach einen super Service gab! Und der ökumenische Dom zu Wetzlar zu Lichtmess ist auch nicht von Pappe!

Aber noch einmal zurück zum Thema Ausflug ganz allgemein: ich bin sozusagen hier im Haus der Ausflugsmanager. Wenn ich Zeit habe, kümmere ich mich um mögliche Termine, recherchiere ein reizvolles Ziel, und organisiere das ganze Gedöns. Und ich bin jedes Mal wieder erstaunt, wie sehr sogar eine Gruppe wie wir, die wir uns sechsmal monatlich zu gemeinsamen Plenumsrunden (Organisations-, Sozialplenum und Plenum der gemeinsamen Ökonomie) treffen und die wir einen hohen kommunikativen Austausch betreiben, davon profitieren können, wenn wir schlicht und einfach etwas Interessantes und Schönes miteinander unternehmen. Das bringt unsere Gruppe mehr zusammen, so einfach ist das.

Vielleicht klappt das deswegen so gut, weil unsere Gruppe ohnehin schon viel gruppendynamischen Austausch über stressige Themen, Konflikte, Gutes und Neues, Aufgaben, Großes oder auch Alltägliches führt und wir an die Ausflüge tatsächlich ohne Plan, dass das jetzt der Teamstärkung dienen soll, heran gehen.

Themen haben wir zur Zeit jedenfalls reichlich und nicht alle sind einfach, ein offener Konflikt schon gar nicht. Aber haben wir uns drum gekümmert, während wir unterwegs waren? Nö. Wir haben den Besuch im Dunkelkaufhaus, im Café Vinyl, in Wetzlar einfach genossen.

Es ist ja längst Kultur, dass gemeinsame Unternehmungen auch in Firmen, Behörden und Institutionen den Teamgeist, das Zusammengehörigkeitsgefühl, gar die Identifikation mit dem Unternehmen stärken können (sollen). So hebt jetzt wieder die Zeit Weihnachtsfeiern an. Kaum ein Besuch in der Gastronomie, bei dem wir nicht Zeuge peinlicher oder ausschweifender, meistens wohl gut gemeinter Weihnachtsfeiern werden. Ratgeberliteratur führt Neulinge ein und erläutert weitschweifig oder knackig, „was Sie auf einer Weihnachtsfeier auf keinen Fall tun dürfen!“, Betriebe, die denken, dass sie sowieso vieles anderes, stilvoller machen, suchen sich eine gediegenere Lokalität, eine exquisitere Speisenauswahl  oder nennen den Event anders, tun an und für sich jedoch Gleiche.

Leider wird da noch viel zu oft was veranstaltet, weil damit dies oder jenes erreicht werden soll und so wird eine gute Idee zu einem freudigen gemeinsamen Zeitverbringen leider doch wieder nur zu einem weiteren Vorgang mit Ergebnisorientierung, obwohl der Event doch angeblich nur „gut für die Stimmung“ sein soll.

Ich schmeiß mal die These in dem Raum, dass es genau deswegen nicht so gut wirkt, wie es wirken könnte. Weil die anderen Teammitglieder, weil die Mitarbeiter*innen das spüren, dass hier etwas, was einfach nur Spaß machen oder entspannen könnte, instrumentalisiert wird. Und möglicherweise lassen sich nicht alle ihren Spaß so gern instrumentalisieren, oder? Und so wird manche Weihnachtsfeier zu einer eher durchschnittlich brauchbaren Veranstaltung, auf der weder der Spaß, die Freude, gemeinsam was schönes zu machen, einen guten Platz hat noch die kreative Teamstärkung oder Projektklärung stattfindet. Schnell ist es dann ein Pflichttermin, der höflich oder auch peinlich absolviert wird. mit ‚im-Augenblick-sein‘ hat das dann nämlich nicht mehr viel zu tun. Spaß und Freude sind aber ziemlich Augenblicks betonte Phänomene, nicht wahr?

Das ist das Eine. Das andere Thema, was sich aus unserem Ausflug anbietet, ist der Ort und die besonderen Erfahrungen, die damit verbunden waren.

Im Dunkelkaufhaus ist es total dunkel. Kein Licht, vollkommene Dunkelheit. Das ist eine Herausforderung zur Erfahrung. Und es war für Alle erstaunlich, sowohl für diejenigen, die sich von Herrn Thomas Brendel auf großartig humorvolle aber auch herausfordernde Weise hindurch geleiten ließen als auch für denjenigen, der nach ein paar Schritten und wenigen Minuten merkte, dass ein innerlich noch vorhandenes Gefühl der Beklemmung, Bedrückung und Angst im vermeintlich abgeschlossenen Dunkel noch keinesfalls soweit zurück gewichen war, um die Tour durch’s Dunkel mitzumachen und die Führung lieber abbrach, aber im beleuchteten Foyer sein Erlebnis aufschrieb, sich also auf seine Weise damit auseinander setzte, während die restliche Gruppe durch’s Dunkel taperte.

Warum war es für Alle eine erstaunliche Erfahrung?

Weil: Worum geht’s denn?

Darum, etwas durchzustehen? Nein.

Darum, unbedingt einen gezielten Fortschritt durch eine Scheu zu machen? Nein.

Darum, sich einer Gruppendynamik anzupassen? Nope, schon gleich gar nicht!

Sondern darum, eine Erfahrung möglichst bewusst zu machen. Dann lässt sich am besten davon profitieren.

Das hat derjenige getan. Top! :-)

Und die Gruppe? Die konnten währenddessen feststellen, dass sie z.B. einerseits sehr unterschiedliche Erfahrungen machen, andererseits sich aber gerade sensorische Erfahrung erstaunlich oft deckt… nur halt weitaus schwieriger zu beschreiben, zu kategorisieren als zu fühlen, zu hören, zu riechen ist.

Für mich war der Gang sehr entspannend. Ich hab, besonders beim Sitzen und gemeinsamem Plausch im Dunkel an der Theke genossen, mich nur auf Hören, Tasten, Fühlen, Schmecken und Riechen zu konzentrieren (und fand mich angenehm entspannt und die Wahrnehmungsfähigkeit auch durchaus ausgelastet ;-) entschleunigt zu sein durch den Wegfall eines erheblichen Teiles meiner üblichen Wahrnehmungsmöglichkeiten.

Ein schon vorhandenes Kontrollbedürfnis hatte ich offenbar blitzschnell auf einen anderen Sinn verlagert, Tasten halt, aber vor allem war das Kontrollieren können recht schnell viel uninteressanter als die Erfahrungen, die zu machen möglich war.

Also eine gute Erfahrung und das, obwohl auch meine Vergangenheit nicht frei von unangenehmen Erfahrungen im Dunkel ist. Und ich hatte vorher auch mal den Gedanken „und-wenn-du-da-in-Panik-gerätst-weil-dich-die-Dunkelheit-triggert?“… hm, dann wäre wer da gewesen, nämlich der blinde Ortskundige und eine prima Gruppe, in der alle aufeinander aufpassen… glücklicherweise auch auf sich selbst, weil: was nutzt es dir, wenn du zwar auf andere aufpassen magst, aber auf dich selbst nicht wirklich gut aufpassen kannst?

Da hilft die Geschichte von der Großmutter Artistin und dem Enkel, die eine Meisterin fragen, was denn besser sei. Die Großmutter sagt: „Es ist doch besser, wenn wir gegenseitig aufeinander aufpassen,  denn dann kann uns nichts passieren!“ Das Kind sagt: „Nein, es ist besser, wenn ich auf mich aufpasse und du auf dich.“

Die Meisterin sagt: „Der Kleine spricht weise: wenn jede*r von Euch auf sich aufpasst und rechtzeitig sein/ihr Bedürfnis äußert, wird eine kritische Situation schneller erfasst und Ihr habt die besseren Chancen, als wenn eine*r erst was von dem/der Anderen erahnen muss.“

Okay okay, ich geb zu, dass ich die Geschichte im Sinne von Marshall Rosenbergs „Wenn wir nicht selbst auf unsere Bedürfnisse achten, tut es niemand“ erzählt habe, aber der Sinn ist nicht verändert, lediglich habe ich sie um eine Nuance ausgeschmückt. ;-)

In diesem Sinne: Euch und Ihnen eine schöne Woche!  :-)

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