Lampenfieber!

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Lindau am Bodensee, ich bin mit Freunden an den Bodensee gefahren, schlendere herum und genieße meinen Urlaub. Ich höre eine Stimme munter und laut sprechen und sehe, dass sich eine Menschenmenge um einen freien Platz gruppiert hat, auf dem ein Straßenkünstler seine Show beginnt. Der Kerl wirkt nett, lustig und unverkrampft und so stellen wir uns dazu.

Meine große Hemmung: Lampenfieber!

Unverkrampft… nun, soo unverkrampft bin  i c h  aber nicht, zählt doch zu meinen großen Hemmungen das Lampenfieber, die Angst vor Blamage…
und ein Widerwillen, in öffentlichen Runden präsent zu sein, die über 15 Leute hinaus gehen, sofern es nicht Bekannte und Freunde sind oder sofern ich nicht durch eine bestimmte Aufgabe (z.B. als Coach und Trainer vor einer Gruppe) einen Vorschuss grundsätzlicher Autorität verliehen bekommen habe. Und so steh ich dort, genieße einerseits die witzige und clevere Aufführung, trete andererseits von einem Fuß auf dem anderen und bin froh, dass ich übersehen werde, sofern der Straßenkünstler sich ans Publikum wendet.
Ich stehe trotzdem mutig in der ersten Reihe und fühle mich für meinen Mut belohnt, als er sich aus den hinteren Reihen eine Blondine („Wie heißt du? Woher kommst du?“ „Applaus für Luska aus Prag!“) sucht, die nun den Part der Assistentin übernehmen muss, ihm Fackeln, Devilsticks und Keulen zum Jonglieren zuwirft, das alles sehr süß,  charmant und natürlich macht und dabei vor Lampenfieber fast in den Boden versinkt.

Erwischt! Diesmal bin ich dran! :-O
„Jens aus Kassel, Applaus!“

„Halt mal das Einrad und gib gut acht drauf!“
Tja, Soviel zum Übersehenwerden. Plötzlich hat er mich erwischt und es kommt noch schlimmer: kurz danach muss ich mit dem Einrad in die Mitte auf die Bühne. Scheiße! :-0
Nachdem er mich vorgestellt hat, soll ich auf das Einrad springen, was natürlich utopisch ist, weil das Ding („seven feet high“) wohl etwa 2,10 m Sattelhöhe hat. Ich hüpfe einmal hoch, zucke mit den Schultern und maule „…ist zu hoch“. Theo Teabag sucht sich noch jemand aus dem Publikum („Uli aus Lindau und Jens aus Kassel, Applaus!“) und wir halten das Einrad fest, während er, heftig rudernd, an dem Ding hoch klettert. Nicht ohne, die ganze Chose, weil es ein paar Mal so wirkt, als würde er hinunter fallen… Nun ist er oben und macht und tut, noch ein paar Späße mit uns, ein paar Momente ausharrend und dann entlässt er uns von der Bühne, nicht ohne einen kräftigen Applaus für uns einzufordern.
Theo Teabag schrieb mir später bei facebook, nachdem ich ihm berichtet hatte, wie diese Erfahrung für mich war: „Cool. Ich hab einen Coacher gecoacht!!!!!!“
Und da hat er recht. :) :)

Es war ganz harmlos!
Den Coach gecoacht!

So, warum erzähle ich Euch und Ihnen mein tollstes Urlaubserlebnis?
Weil…
…es gar nicht weh getan hat!
Es war ganz im Gegenteil ein Erlebnis, das ich als voll okay wahrgenommen habe und das mir sogar Spaß gemacht hat. Sobald ich in der Mitte, auf der Bühne stand, hatte ich das Publikum oder das Risiko einer Blamage gar, überhaupt nicht mehr auf dem Schirm sondern war einfach ‚voll bei der Sache‘.
Okay okay. das ist noch nicht die umwerfende Mitteilung, stimmt. Viele unter Ihnen/Euch werden das kennen, dass Lampenfieber vor allem  v o r  einem Auftritt aufkommt, nicht währenddessen.

Positive Referenzerfahrung: top Ressource

Es geht mir um das Thema bzw. das Phänomen Referenzerfahrung.
Referenzerfahrungen zählen aus meiner Sicht zu den wertvollsten persönlichen Ressourcen, die wir mobilisieren können, wenn wir Bammel haben, wir uns mutlos fühlen, wir denken „das-klappt-doch-sowieso-nicht“ oder in Gedanken wie „das-hat-doch-keinen-Zweck“ festhängen.
Meine Erfahrung im Coaching ist, dass Menschen sich in den meisten Fällen an positive Referenzerfahrungen erinnern, allerdings oft erst auf Nachfrage. Klar, misslungene Situationen werden uns auch einfallen, aber die müssen wir nicht auch noch suchen. Es ist genug evolutionäres und auch sozialisiertes Bewusstsein in uns vorhanden, um die negativen Dinge stark zu erinnern, weil ja Gefahr drohen könnte.
Es sind aber die positiven Erfahrungen, das Gelungene, das Gelingen, was uns Mut und Kraft gibt, wenn wir uns dran erinnern!
Das können wir kultivieren. Üben wir’s!

Erinnern üben an das, was uns gelungen ist

Vor der nächsten Situation, die uns bevor steht und die wir mit Angst oder Sorge erwarten oder in der nächsten Situation, in der wir Scham oder Misslingen befürchten, mal kurz dran denken, ob und wann und wie eine ähnliche Situation gut gelaufen ist, idealerweise auch, wie es sich angefühlt hat, okay?
Bühne frei für Sie und Euch!

Schönes Wochenende,
herzlich,
Ihr und Euer Jens Gantzel

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