SPIEGEL, SPIEGEL an der Wand…

…was dir alles nicht passt im Euroland.

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Neulich saß ich in einem Café und blätterte im SPIEGEL. Ein Artikel verärgerte mich enorm. Es ging darum, dass die EU Regulierungen für den Energiebedarf von Staubsaugern erlässt.

Diskreditierung von Energiesparmaßnahmen durch das Nachrichtenmagazin

„Prima“, dachte ich, „endlich mal Maßnahmen zur Energieeinsparung und nicht nur Greenwashing oder Gerede von billigerer oder ökologischerer Energieerzeugung, sondern ein Problem an der Wurzel gepackt!“
Den Autoren des SPIEGEL ging es offenbar anders. Die Maßnahme und das Verhalten der Zuständigen bei der EU wurden diskreditiert, lächerlich gemacht und mit Schimpf und Schande bedacht. Natürlich durfte auch der Klassiker, der das anscheinend ebenso faule wie dumme Verhalten von EU-Bürokraten illustrieren soll, nicht fehlen: der Verweis auf den Krümmungsgrad von Bananen und Gurken.
Eifrig wurde von den Autoren die Kritik an der so abgehobenen EU-Bürokratie befeuert bzw. wiedergekäut, tatsächlich sogar heraufbeschworen, dass es dann in europäischen Wohnstuben wohl bald richtig schmuddelig aussehen werde und abschließend gab man den Lesern noch den Hinweis mit auf den Weg, dass es ja sein könne, dass sich Tausende schnell noch mit neuen Staubsaugern mit höchsten Saugleistungen versorgen würden.

Kurz: eine berechtigte Sorge um verständliche Kritik der Bürger und Bürgerinnen an Entscheidungen aus Brüssel und an mangelnder Bürgernähe stelle ich mir anders vor.
Kürzer: journalistisch wurde hier das Geschäft der Schreihälse unter der Europaskeptikern besorgt.

Ich war so genervt, dass ich meinen Blogartikel, hätte ich ihn sofort danach geschrieben, mit „Verbote! Gebt uns mehr Verbote!“ betitelt hätte!
Da kommt endlich eine konkrete klare Maßnahme (nämlich Energieeinsparung! Ein nachdenklich stimmendes Beispiel aus Japan findet sich im fluter), um ganz handfest etwas gegen den Klimakollaps zu tun und dann ist es manchen Journalisten, wohlfeil im Sinne der sogenannten freien Bürger argumentierend, auch nicht recht. Dabei wären sie vermutlich die Ersten, die kritisieren würden, dass die EU (oder wer auch immer) nicht genug gegen den Klimawandel tue.

Warum war ich so genervt davon?
Ich bin doch sonst gar kein Freund von rigiden Vorschriften, von Verboten und von Bevormundungen.
Im Gegenteil: in der Arbeit werde ich doppelt hellhörig, wenn Denkverbote auftauchen, wenn ich den Eindruck habe, dass Menschen sich mit Glaubenssätzen massiv beschränken. Natürlich frage ich mich dann, was dahinter steckt, welchem Zweck das dient.
Ich versuche mit den Klienten/Klientinnen an der Bewusstheit zu arbeiten. Mitunter mögen Denkverbote, Glaubenssätze eine Funktion haben, einen Sinn. Meines Erachtens geht es nicht in erster Linie darum, diese unbedingt aufzulösen sondern zu verstehen, dass sie existieren und zu schauen, warum sie existieren.

Bewusste Produktion? Bewusster Konsum? Mündiges Verhalten? Bewusstheit? Mangelnde Bewusstheit?

Und da ist eine Verbindung zum Artikel und zu Reglementierungen:
Bewusstheit, mangelnde Bewusstheit, Ermutigung zu Bewusstheit. Ist genügend Bewusstheit vorhanden, um klimafreundliche Produkte in der Produktion (Unternehmen) und im Konsum (Anwender, „Verbraucher“) zu bevorzugen?
Und ist bei Medienschaffenden derartige Bewusstheit darüber vorhanden, warum sie sich in einer bestimmten Weise zu diesem Thema auslassen?

Ich drehe das Ganze mal provokativ ein Stück weiter: Die Zerstörung eines Klimas, in dem Menschen, Tiere, Pflanzen gut leben und wachsen können, in dem Wirtschaft gesund florieren kann, hat was von Selbstzerstörung, richtig?
An dieser Selbstzerstörung wirken wir täglich mit, in unterschiedlichem Ausmaß.
Wie bewusst ist ein solches Verhalten?
Wie mündig dürfen wir uns (individuell und kollektiv) einschätzen, wenn wir so an dieser Selbstzerstörung beteiligt sind?
Was kann übergangsweise eine Hilfe sein, wenn es an Mündigkeit eklatant mangelt?
Da kommen Fragen auf, woll…?

Hinter dem Ärger: Angst, Hilflosigkeit, noch mehr Ärger und Neid

Noch einmal zurück zum „Warum hat mich der Artikel im SPIEGEL so geärgert?“. Dazu bin ich Ihnen und Euch noch eine Antwort schuldig.
Einmal steht Angst dahinter, Angst, dass die Klimakatastrophe mit jedem Monat, den nichts unternommen wird, um das Klima nachhaltig zu schützen, unumkehrbarer wird.
Hilflosigkeit ist ein weiterer Punkt. Hilflosigkeit angesichts der (anscheinend) so kleinen Beiträge, die ich nur zur Rettung des menschen-/tier-/pflanzen-/wirtschaftsfreundlichen Klimas leisten kann und Hilflosigkeit und Zorn angesichts dessen, dass es Menschen nur so schwerfällig nahe gebracht oder sogar verleidet wird, wenigstens kleine Beiträge zu leisten.
Und es ist auch – schon eher schwer einzugestehen – Neid mit von der Partie. Neid, dass ich nicht solche Möglichkeiten   wie die beiden Autoren des SPIEGEL-Artikels habe, um bestimmte Meinungen so drastisch nach vorn schreiben und den Lesern unterjubeln zu können.
Vermutlich gibt es noch manches mehr, was sich bei mir hinter dem Ärger findet… müsste ich weiter in den Spiegel schauen… in den im Flur, meine ich.

Grüße, herzliche, aber etwas gereizte,
Jens Gantzel

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