Superman, Superwoman, Superchild…

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Beim Coachen begegnen mir ja viele verschiedene Personen und noch mehr Selbstbilder.
Eine Person ist fast immer mit dabei: Superman oder Superwoman!
Entweder, weil sie mir vermitteln, dass sie alles managen… oder weil sie mir vermitteln, dass Sie alles zu managen versuchen: tragen vielfältige Belastungen, erwarten beständig Engagement und Leistung von sich, laden sich auch gern was von Anderen auf…
und…
haben tatsächlich oft das Gefühl, als Loser gesehen zu werden, die nichts (oder wenigstens nicht genug) hinkriegen.

Uiuiui, da liegt die Messlatte aber ganz schön hoch, oder? Wenn ich gleichzeitig eine fleißige Arbeitsbiene, ein kreativer Quell, eine effiziente Organisatorin, aufopferungsvolle Mama, sexieste aller Partnerinnen, Vorbild, immer Rat wissende Vaterfigur, Weltverbesserin, Sportskanone, perfekter Gastgeber, und weltbester Karlsson sein will.
Werbung vermittelt uns genau das.
Sogar eine, wie ich finde gelungene, alles andere als dümmliche Kampagne für Erzieherausbildung in Hamburg spricht uns an mit: „Sei alles! (Teddybär, Gitarrenlehrer, Zeltbauer, Ritter und Monsterverjager, Tischtenniscrack, Clown, Fußballtrainer, Baumkletterer, Zuhörer, Frühstückmacher, 4-Sterne-Koch etc. etc.) Werde Erzieher.“

Ja, ja, geschenkt: selbstverständlich sind wir Vieles, sind wir vielfältig, nehmen wir verschiedenste Rollen ein, klaro!
Und das ist schön und gut so!!
Aber das immer alles perfekt erfüllen zu wollen?? Und dann noch annehmen, mann/frau sei ein/eine Loser/Loserin, weil es hier und dort eben nicht perfekt wird oder weil mann/frau sich auf einem Gebiet eigenen Entscheidungen oder der Teilnahme entzieht??
Wie hart muss das sein?
Gibt’s nicht einen Anspruch darauf, allein dafür ernst genommen und gewürdigt zu werden, dass mann/frau es immer wieder versucht, so viel zu managen?

Und ist das nicht für Kinder (trotz eventueller Wertschätzung und Würdigung für eifriges Managen, Machen und Tun) dennoch definitiv zu hart?

Mittlerweile gibt’s ja auch viele viele Kinder, die Superchild sein wollen bzw. wohl öfter sein sollen. Gute Noten, kulturell gebildet, guter Geschmack, Musikalität, emotionale Intelligenz, sportlich fit, körperlich ansehnlich oder sogar makellos, Gesprächskompetenz … das alles muss schon kommen, willst du später was zu melden haben.

Und wenn es hapert…?
Was dann?
Ich weiß nicht, was Ihnen der freundliche Apotheker empfiehlt… Novartis und Ciba und Konsorten empfehlen Ritalin…
Nun mag es sein, dass es mitunter für manche Eltern (und für manche Kids auch) unter ganz besonderen Umständen denkbar sein kann, dass es wirklich keinen anderen Weg geben kann als Ritalin. Ich mag mir das zwar nicht vorstellen, aber das heißt ja nicht,  dass es das nicht gibt.
Jedoch habe ich einmal einen ‚Fall‘ im persönlichen Umfeld mitbekommen und fand es mehr als gruselig, was ich da beobachten konnte: Wesensveränderung in bedrückender Art und Weise, dennoch (oder auch deswegen?) massenhaft ungelöste und hässliche Konflikte, was Grenzen, was Nähe-und-Distanz-Problematik betrifft…
Und solch eine Keule nicht nur in der Not, sondern zur Optimierung einzusetzen?

Warum überhaupt Optimierung? Welche Botschaft spricht aus Optimierungsbedürfnissen?
Und wenn scnon Optimierung? Muss der ganze Mensch optimiert werden oder reicht Optimierung hier und da aus?

Als ich 12 Jahre alt war und nicht zur Schule gehen wollte, weil ich diffuse Ängste hatte, verschrieb ein Kinderarzt Adumbran, ein Mittel aus der Gruppe der Benzodiazepane. Genutzt hat es nichts, die Probleme in meinem Leben waren ja weiterhin da. Aber aus späterer Sicht war es immerhin Körperverletzung.

Es gibt schon ziemlich viele Supermänner und Superfrauen … Ist da wirklich Platz für die ganzen Nachrücker, die jetzt alle noch Superkids sind? Ich denke, dass da Zweifel angebracht sind.

Es gibt diesen oft gehörten und gesprochenen Satz: „Ich hab getan, was ich konnte.“
Heißt das jetzt, dass ich mich vollständig verausgabt habe, dass ich eine enorme Leistung vollbracht habe, dass ich Superheld bin? Was ja mal okay ist, auch nochmal und nochmal. Aber dauerhaft?
Wie wäre es mit dieser Lesart? „Ich hab getan, was mir in diesem Bereich möglich war mit meinen Kräften und Fähigkeiten. Und ich habe es so getan, dass ich auch in anderen Bereichen noch Ressourcen habe und auch morgen noch haben werde.“
Entwertet das die Leistung? Ich denke: Nein, das tut es nicht.

Das, was mir am Herzen liegt, mache ich gut, meist sogar sehr gut.
Aber alles unbedingt managen wollen, alles unter einen Hut bringen wollen?
Nö.
Dieses „Nö“, das entspannt ungemein. :-)
Und in Bereichen, die nicht mein Herzblut sind, bin ich inzwischen durchaus mittelmäßig.
manchmal sogar ohne schlechtes Gewissen.

Euch und Ihnen einen schönen Sonntag, ob nun Superman, Superwoman oder nicht! :-)

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2 Gedanken zu “Superman, Superwoman, Superchild…

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