facebook als Spielwiese: kann gefallen.

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Selbstbewusstheit.

Selbstbewusstsein.

Für beides erlebe ich Facebook als Spielwiese, mithin als Lernfeld .

Ich sehe, dass es die Vielposter, die Gelegenheitsposter und die Wenigposter gibt. Die Vielposter handeln nach dem Motto „Aufgepasst! Jetzt komm ich. Alle mal her hören!“ Die Gelegenheitsposter sagen: „Also, das hier, ja, das, das ist wirklich wichtig! Hört Ihr? Wirklich wichtig! Ich weiß das.“ Und die Wenigposter sind auch nicht ohne Attitüde: sie verbringen mehr Zeit damit, zu überlegen, was genau jetzt wirklich eine Mitteilung wert ist als mit der Mitteilung selbst.

Dieses Beispiel ist ja keineswegs auf facebook beschränkt, sondern lässt sich überall dort beobachten, wo ich Kommunikation mit anderen oder für andere erlebe.Ich gehöre wohl zur ersten Gruppe. :-/     Wenn ich bei facebook aktiv bin, poste ich viel. Ich fotografiere zwar mein Essen nicht und ich stelle auch keine Partyfotos rein oder schreibe über mein Ausgehverhalten, teile nur selten Sinnsprüche und lasse auch nicht wissen, welche Musik ich jetzt gerade höre und welche ich eben gehört habe.

Aber im Posten oder Weiterleiten politischer Statements bin ich groß. Kaum eine Kampagne, die über meinen Bikdschirm läuft, die ich nicht weiterleite oder zu der ich nix schlaues zu sagen hätte. Kaum ein Bereich, zu dem ich nicht auch Dampf ablassen könnte (mich aber auch mal zensiere).

Und es kommt vor, dass ich mich bei manchen Vielpostern aus meinem facebook-Freundeskreis frage, warum die so viel teilen (müssen)…

Aha.

Und ich?

So, bis hier klang das nach Genörgel, aber mir ist gar nicht danach, das Verhalten der facebookis, Ihr oder mein eigenes Verhalten zu kritisieren. Erstmal ist das, wie es ist und Punkt. Aber: Ich möchte gern bewusster sein mit dem, was ich tue. Das will ich ja meistens. Stellt sich zu oben angesprochener Vielposterei eine der liebsten Coachingfragen:

Warum?

Warum mache ich das? Warum poste ich so viel, obwohl ich weiß, dass das für manche Abonnenten oder Freunde anstrengend sein kann?

Hm…

Hm. Hm…

Weil ich es wichtig finde, tolerante, nachhaltige und verständigungsfördernde Aktivitäten und Initiativen zu unterstützen…

Weil ich es wichtig finde, zu gesellschaftlichen Ereignissen, die mich ärgern, die mir Sorgen machen, die mich begeistern etc. meine Position zu verdeutlichen….

Weil ich gern meinen Senf dazu gebe…?

Weil ich meinen Mund durch vorherrschende Marktorientierung lange Zeit nur so aufgemacht habe, wie es meinen Karriereinteressen und Beziehungswünschen dienlich war und ich ihn jetzt einfach nicht mehr halten mag?

Weil mir (ganz der Schütze…) das Anreißen eines Themas aus Kontexten, mit denen ich mich etwas auskenne, mitunter reicht, um meinen Senf dazu geben zu wollen?

Fünf Minuten und ich habe noch eine ganze Palette an Antworten bereit…

Auch was für Sie dabei, falls Sie Vielposter sind? Und was sagt Ihr innerer Interviewgast auf die Frage, falls Sie Gelegenheitsposter oder Wenigposter sind? Oder nur „normal“ kommunizieren? Auch da können Sie ja den Dampfplauderer ebenso geben wie das stille Wasser.

Es folgt die nächste Coachingfrage, die ebenfalls eine der liebsten ist:

Wozu soll das gut sein?

Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs, am gesellschaftlichen Leben.

Um mir genehme Bewegungen zu unterstützen und zu stärken. Um dabei zu sein, Gegengewichte gegenüber Denk- und Handlungsweisen zu bilden, die Mensch, Psyche und Natur aus Hab-/ und Machtgier bedrohen.

Um andere Menschen zu inspirieren.

Für die eigene Psychohygiene.

Auch hier kann ich eine Fülle von Gründen anführen, die sowohl jeder für sich als auch alle zusammen Sinn ergeben.

 

Nun frag ich weiter:

Weshalb (ist das wichtig)?

Und? Was haben Sie für Ideen, für Phantasien dazu?

Mir fällt sofort folgendes auf: offenbar ist es für mich ganz wichtig, dazu zu gehören. Auch klingt es ein Stück weit nach „will gebraucht werden“.

 

Und wieder kann ich fragen: „Wofür ist das gut?“…..

Zugegeben: es klingt wie die Fragen von Kindern, die das „Warum, Papa? Wieso, Papa?“ wiederholen, als hätten sie einen Sprung in der Platte, bis es genervt heißt: „Jetzt lass mich doch mit deinem blöden Papa zufrieden!“ Und… ich finde, der Prozess ist ähnlich, recht ähnlich.

Ein Kind mag aus vielen Gründen fragen, einer davon ist sicher das Erkenntnisinteresse. Der Wunsch und der Wille, Dingen auf den Grund zu gehen, die Welt zu begreifen. Nichts anderes machen diese Fragen im Coaching auch. Wir gehen uns selbst auf den Grund. Manchmal auch auf den Wecker… hinnehmen, das gehört dazu.

Noch einmal: es geht nicht darum, gar nicht darum, über uns selbst zu maulen… und auch nicht darum, die Selbstbewusstheit einzusetzen, um sich zu einem „Ah, da hab ich was falsch gemacht, dort auch… und hier erst“… Die Versuchung ist da (klar!), die gesteigerte Bewusstheit einzusetzen, um „sich selbst optimieren“ zu wollen… das scheint mir aber nicht so gut zu sein. Wie ein alter Zen-Meister mal gesagt haben soll: „Klar ist da einiges, was du an dir verbessern kannst… aber du bist gut so wie du bist.“

Wir lernen… über unsere Absichten, unsere tiefen Wünsche und Hoffnungen…

und da kann das Thema „Wie geht meine Kommunikation bei facebook?“ so gut sein wie irgendein anderes Thema, irgendeine andere sich wiederholende Handlung, die ich mache. So, jetzt werde ich das posten. ;-)

 

Euch und Ihnen eine schöne Woche! :-)

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