Ja! – Nein! – ICH! Einen Platz einnehmen und sich nicht rumschubsen lassen.  

Moinsen.

Sonne scheint, der Sommer zeigt sich seit Wochen schon von der besten Seite und die Tischtennisplatte ist aufgebaut. Wie normal ist das denn? Sehr normal, sag ich nur. Und alsbald spielen Menschen, gern auch Jugendliche mit, die Botschaften wie „Ich kann das nicht…“, „Ich verliere sowieso…“, „XY (mein/meine Gegner/Gegnerin) holt bestimmt gleich auf… Dann ist mein Vorsprung weg…“ vom Stapel lassen. Ganz normal. Sobald eine Aufgabe auftaucht, die einen Vergleich mit einschließen kann, neigen wir zum Vergleichen und bei Spiel und Sport wird das plötzlich so messbar und auch leichter aussprechbar.

Nun ist es ja nicht übel, um eigene Schwächen zu wissen und diese sogar selbstkritisch, aber ohne Selbstabwertung ausdrücken zu können. Das, finde ich, ist eine gute Form der Reflektion. Und, gerade bei Jugendlichen, noch genauer: bei pubertierenden Jungs, ist es ja auch ganz angenehm, wenn nicht pausenlos testosterongeschwängerte „ICH! ICH! ICH!“-Botschaften ausgesendet werden, unterstützt durch regelmäßiges Ausspucken, als wisse man gar nicht, wohin mit all den Körpersäften und sei Bushido, Bohlen und Kiezboss in einer Person. Na ja, auch das geht vorüber… nicht bei allen, wie uns Blicke in die Welt der Prominenten beizeiten zeigen… ;-)

Aber beständig zu repitieren, nicht gut genug zu sein? Hm… Sowohl als Signal an die Außenwelt als auch nach innen heißt das:
„Ich nehme keinen Platz ein.“
„Falls doch, bin ich gern bereit, ihn wieder zu räumen.“
„Ich will gar keinen Platz einnehmen.“
Und das goutiert die Außenwelt entsprechend, was mit der Zeit dazu führt, dass ich genau das bekomme: einen Platz am Rand, ich werde herum geschubst, weil ich meine Bedürfnisse weder selbst genug wahrnehme noch auszudrücken oder gar durchzusetzen vermag. Heimliche Wünsche, mal anders dazustehen,  gibt’s oft genug und sie werden fleißig gefüttert und ziehen Frustration etc. nach sich.

Okay… What to do?

Ich kenne einerseits eine Geste aus dem Profisport, die ich als Bild hilfreich finde und zweitens eine leicht erklärbare, sehr wirkungsvolle Übung.

Die Geste aus dem Profisport geht so, dass ich mich stabil hinstelle, etwas breitbeinig und elastisch in den Knien, und mit halb erhobenen angewinkelten Armen, mit Fäusten und ausgestreckten Daumen auf mich zeige und bewusst die Botschaft aussende: „Seht her! ICH bin es! Hier bin ICH!“ Fußballer zeigen dann gern auf den Namen auf ihrem Trikot. Soweit das Bild.

Die Übung beruht auf drei nahezu weltweit verstehbaren Gesten für Ja, Nein und Ich. Um letztere soll es hier gehen.
Dazu stelle ich mich hin, idealerweise mit einem Gegenüber (gute/guter Freundin/Freund) und vollführe diese Geste: ich führe die von mir bevorzugte Hand als Faust zur Brust, ich schlage mir damit leicht an die Brust und sage klar und deutlich
„ICH!“
Und? Was passiert?
Spannend an dieser Übung ist vor allem, bewusst zu erleben, was vor sich geht. Wie erlebe ich es?
Bewege ich mich?
Schwanke, tänzele ich vielleicht von einem Bein auf’s andere?
Oder leicht vor und zurück?
Bleibe ich leise oder kann ich das „ICH“ mit lauter Stimme aussprechen?
Wie ist meine Stimme? Fest oder unsicher?
Schaue ich geradeaus? Starr oder souverän? Kann ich im Blickkontakt mit meinem/meiner Gegenüber bleiben oder wandert mein Blick weg?
Neige ich meinen Kopf oder nicht?
Muss ich schmunzeln, lachen, kichern? Werde ich vielleicht sauer?
Fühle ich mich unwohl oder prima?
Spanne ich mich an oder entspanne ich mich langsam, verspanne ich mich?

Beobachte, beobachten Sie, wie es dir/Ihnen während der Übung geht, ob du/Sie Gefallen daran findest/finden oder gern aufhören willst/wollen.
Mein Tip ist es, dem ersten „aufhören wollen“ noch nicht nachzugeben, auch dem zweiten noch nicht, sondern noch in der Übung zu bleiben und zu schauen, wie ich das wahrnehme…
Allerdings empfehle ich auch, die Übung einzustellen, wenn ich den Impuls zum Aufhören als Druck verspüre. Möglicherweise ist dann schon genug gearbeitet worden und einem starken Bedürfnis aufzuhören zu wollen, nachzugeben, ist ebenfalls eine ICH-starke Handlung.
Die Übung ist ebenso einfach wie effektiv, wenn ich sie eine Zeitlang regelmäßig nutze.
Sie hilft, einen Platz einzunehmen, für die eigenen Bedürfnisse einzustehen und nicht schon im Voraus eine eingenommene Position preiszugeben. Sie vermittelt sowohl nach innen wie nach außen:
„Hier bin ICH, hier stehe ICH, genau hier. Du kannst da stehen und dort und da, wo du willst, nur nicht hier, weil ICH hier stehe.“
Und tatsächlich hilft ein solcher Prozess mit der Zeit auch den Beziehungen, die ich habe. Es entsteht mehr Klarheit, mehr Präsenz und wenn ich klarer für mich eintreten kann, habe ich plötzlich eine Wahl: Ich kann mich entscheiden, ob ich versuchen will mich durchzusetzen oder ob ich bereitwillig und ohne Gesichtsverlust Anderen mehr Raum gebe, weil ich deren ICH-Bedürfnis wertschätze und anerkenne. Das schafft Freiheit, nach außen und innen.

So, und wenn jetzt jemand an die Tischtennisplatte möchte… Nur zu… Nach mir. ;-)

Euch und Ihnen eine schöne sonnige Woche!
:-)

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