Wer keine Chance zum Lachen sucht hat keine Kraft zum Frieden  

Neulich wachte ich in der Früh durch den Radiowecker mit der Nachricht auf, dass in Griechenland der öffentlich-rechtliche Rundfunk abgeschaltet worden sei. „Na prima“ dachte ich, „da fängt der Tag doch gleich richtig mies an bei solchen Nachrichten“… Aber das war erst der Anfang. Etwas später hieß es, dass es in Russland demnächst verboten sei, über Homosexualität zu reden. Sagt mal: geht’s noch?? Und ein paar Minuten früher oder später muss ich Bilder sehen, wie eine aggressive Staatsmacht in Istanbul das volle Brett an Repressionsmaßnahmen gegen die eigene Bevölkerung herausholt und drauf drischt…

Fällt schon schwer, dabei nicht in Frust zu verfallen.

Aber ich brauche ein Gegengewicht gegen den Frust, die Verzweifelung, den Zorn. Diese Gefühle kriege ich ja nicht weg bzw. es tut mir nicht gut, sie wegschieben zu wollen.
Weghaben wollen, pure Abwehr, sind aus meiner Sicht sichere Methoden, genau das bei mir zu behalten, was ich nicht haben will. Also was tun?
Ein Gegengewicht finden!
Und Humor ist für mich ein gutes Mittel.
Genießen auch!
Ich richte meine Aufmerksamkeit also von Zorn, Frust und Verzweifelung weg. Und das tue ich am einfachsten, wenn ich akzeptiere, dass ich genau das gerade empfinde: Zorn, Frust, Verzweifelung. Und dass ich gute Gründe dafür habe. Und dass es okay ist, genau so, wie ich das gerade fühle.

Ich entscheide mich dann aber, Aufmerksamkeit auch auf anderes zu richten: auf das, was jetzt im Augenblick gerade schön ist in meinem Leben, auf das, was gerade Mut macht in der Welt, was jetzt gerade Freude macht, was mich zum Lachen bringt, was ich genießen kann: jetzt und hier.

Und da Gedanken allein oft nix bewegen, nehme ich den Körper mit hinzu: Julie Henderson, die Schöpferin des Zap-Chen (www.zapchen.com), empfiehlt zum Beispiel, über schwere Themen zu lallen: Zunge vor die Zähne hinter die Unterlippe und drauflos geschimpft oder lamentiert… hat schon manche Menschen zum Lachen gebracht :-)
Oder ein paar Minuten Tanzen. Es steckt soviel Lebendigkeit und Daseinsfreude in mir!
Oder strecken und wohlig rekeln, schnaufen und stöhnen dabei. Whatever… ich suche mir das, was mir unkompliziert Wohlgefühl, Spaß, Freude verschafft.

Ja… hm… aber ist das nicht unkorrekt, wenn ich mir angesichts des Leids anderswo erlaube, fröhlich zu sein?
Nein, ist es nicht. Oder von mir aus ist es das auch…
ABER: wer wird wohl mehr Kraft, mehr Kreativität, mehr Liebe, mehr Begeisterung aufbringen können für Veränderung, für Kritik, für Alternativen?
Die Frustrierten, Verzweifelten?
Oder jemand, der/die offen ist, vom Frust zur Freude wechseln zu können und zu akzeptieren, dass beides jetzt dazu gehört?

Keinesfalls rede ich einer stumpfsinnigen Spaßgesellschaft das Wort, aber wer keine Chance zum Lachen sucht, hat keine Kraft zum Frieden, zur Entwicklung.

In diesem Sinne: ich wünsche Euch und Ihnen heute was zu lachen und zu genießen! :-)

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Ein Gedanke zu “Wer keine Chance zum Lachen sucht hat keine Kraft zum Frieden  

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